Wie ich schon hier angedeutet habe, spielen Blutlinien in der Zucht eine wichtige Rolle. Und das ist immer noch so, auch wenn die Diskussion um Inzuchtvermeidung diese Zuchtmethode gründlich verworfen und in Mißkredit gebracht hat. Dennoch, bleibt sie in der Hand eines guten Züchters, der nicht für den schnellen Erfolg züchtet, unerläßliches Werkzeug, das so scharf schneidet, dass der Ungeübte eine Hilfe braucht. Das hatte ich auch im Hinterkopf, als ich mich für Zuchtpaten aussprach.
Durch einen Hinweis fiel mir ein Artikel auf, mehr als das: eine Art Aufarbeitung des So-sollte-es-sein gegen So-ist-es, der in absolut zutreffender Weise all das zusammenfasst, was ebenso so auch bei unseren Whippets inzwischen an der Tagesordnung ist. Wo findet man den schmalen Grat zwischen Hundezüchter -Hundevermehrer -Hundehändler? Wie groß ist die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Wie kann man sich selbst und den eigenen Züchter oder Zuchtanfänger überprüfen, wo liegt sein Hauptinteresse?
Wer wirklich Interesse an der Rasse hat, der sollte sich etwas Zeit nehmen für einen spannenden Bericht eines Zuchtmentors, ihn ganz sorgfältig lesen und die Fragen für sich beantworten. Es lohnt sich! Auch als Entscheidungshilfe für Whippetinteressenten.
Den Artikel “The Tragic Loss of Bloodlines and Mentoring in America” von Carol D Hawke, übersetzt von Doris Duewel, darf ich mit freundlicher Genehmigung hier ungekürzt und eins zu eins veröffentlichen. Herzlichen Dank dafür. Pflichtlektüre für jeden mit Hundezucht verbandelten Whippetliebhaber.
von Carol D.Hawke
Uebersetzung: Doris Duewel
Zehn Jahre lang habe ich diese bedrohlichen Themen beobachtet und studiert. Es begann mit ersten Geruechten, die ich von britischen Freunden hoerte, die den Verlust beruehmter Blutlinien und die Ablehnung persoenlicher Patenschaften hier in Amerika beklagten. Die beunruhigenden Geruechte hatten verschiedene oeffentliche Aufschreie zur Folge, nachdem sich weltweit langjaehrige Zuechter, Vorfuehrer und Richter in gemeinsamer Besorgnis zusammen taten.
In allen Berichten vergangener, amerikanischer Jahrzehnte, sowie in vielen Jahrhunderten , in denen ueber Hundezucht geschrieben wurde, haben ernsthafte Hundezuechter immer wieder unentwegt an der Schaffung von “Blutlinien” gearbeitet.
Amerikaner neigen immer noch dazu, liebevoll und umgangssprachlich ihre Zuchtprogramme als ihre “Linien” zu bezeichnen.
Dieses waren typischerweise, direkte Hundeabstammungnachweise, die auf einen oder mehrere Hunde des Gruendungsbestandes zurueckfuehrten. Diese “Linien” entwickelten sich fortlaufend und stetig ueber Jahrzehnte weiter, waehrend Zuechter Merkmale hinzufuegten oder wegnahmen ganz wie Artisten Details von einem Meisterwerk entfernen oder es um sie erweitern.
Manchmal ging die Entwicklung im Schneckentempo voran, zu anderen Zeiten stieg sie sprunghaft an, trotzdem gaben serioese Zuechter kaum ihre “Linien” in der aktiven Arbeit auf. In der tatsaechlichen Praxis wurden Blutlnien nur verworfen, wenn ein toedlicher Defekt oder eine gefaehrliche Seuche keine andere Option mehr boten. Fuer wenige Zuechter bedeutete solch ein Unglueck sogar das Ende ihrer lebenslangen Arbeit.
Das Projekt war damit fuer die Betroffenen beendet. Andere wiederum fanden eine Moeglichkeit mit verwandten Tieren einen Neuanfang zu starten, die sie von dem einem oder anderen frueheren Schueler erhielten.
Der springende Punkt aber war doch, dass engagierte Zuechter loyal zu ihrem urspruenglichen Programm standen.
Jede bedeutende Blutlinie praesentierte einen unterschiedlichen Blick auf den Standard, waehrend alle zusammen aber eine vorzeigbare Version verkoerperten. Jeder Zwinger oder jede “Linie” brachte seinen eigenen Anteil an den Siegen auf oder nahm so seinen festen Platz in den Annalen der Geschichte der Rasse ein. Ob nun gross oder klein , jeder hatte ohne Zweifel seinen Anteil daran.
Man konnte auf diese “Linien” zaehlen, da sie unveraenderlich typisch waren, indem sie einen nach dem anderen Hunde hervorbrachten, die die deutlichen, unverwechselbaren Merkmale dieser “Linie” trugen.
Es zeigte sich ein bemerkenswertes, positives Maass an phenotypischer oder genetischer Konsistenz. Eine gemeinsame Praxis der naechsten Hundezuechtergeneration (die beraten wurde) war, dass man einen Gruendungsbestand an Hunden aus zwei bekannten “Linien” nahm und dann, sehr zur eigenen und Jedermanns Freude eine “neue Linie” schuf.
Klug beraten, fanden talentierte Menschen so eine Moeglichkeit das Beste aus zwei verschiedenen Linien hervorzubringen.
Solche Anstrengungen machten haeufig enge Freunde aus langjaehrigen Widersachern. Schliesslich haben beide Linien genauso einen Erfolg verursacht, wie auch stolze Grosseltern spontan vereint wurden.In wenigen Faellen, wenn die “Linien” erfolglos blieben und die Anstrengungen nicht zum Ziel fuehrten, wurde jede Seite verantwortlich fuer die fehlgeschlagenen Resultate gemacht.
Unabhaengig davon befriedigte manchmal ein gegenseitig zufriedenstellender Vorschlag, ganz gleich wie die genetische Muenze nun geworfen wurde.Schlug eine Idee nicht ein, wurde eine andere probiert, solange bis sich eventuell ein Erfolg einstellte.Der ganze Ablauf wurde unter den aufmerksamen Augen skrupuloeser Berater durchgefuehrt.
Das erfolgreiche Zuchtprogramm eines Einzelnen wurde vom Schritt ins erwachsene Zuechterleben, waehrend der vergangengenen zwei Jahrhunderte bis in gerade vergangene Jahrzehnte markiert.
Tendenzen und Trends in der Hundezucht haben kuerzlich eine ganze Serie abrupter und ploetzlicher Richtungsaenderungen genommen.Ja, die Zeiten haben sich geaendert. Aber Zeiten aendern sich unabllaesslich waehrend die Hundezucht als Hobby jetzt ein gaenzlich neues Gesicht aufweist. weiterlesen »