Hunde und Glück, wo bedeutet das?
27.12.2010 von Marianne
Wann ist ein Hund ein glücklicher Hund und wieviel Glück gewähren wir ihm? Kann ein Hund überhaupt glücklich sein? Da er eine Seele hat wie wir, kann er. Doch was ist Glück?

Es geht sehr oft nur um die Frage der Befindlichkeit des Hundehalters. Es geht immer um “ich” oder “wir”, wann geht es um “ihn” oder “uns”?
Ein Hund, der geboren wird, kann sich in den seltensten Fällen aussuchen, bei wem er später einmal landet. Er hat keine Wahl. Er muss nehmen, was ihm geboten wird. Das kann für ihn gut oder auch ganz schlecht enden. Hier mag ich nicht an Hunde denken, die irgendwie physisch gequält werden. Aber Qual muss nicht nur körperlich und sichtbar sein. Schwerlich mag man sich vorstellen, dass der “wohlbehütete” und “heiß geliebte Hund” psychisch unter Druck geraten kann. Er kann und das viel häufiger, als wir es uns eingestehen wollen oder ohne dass es der Mensch überhaupt merkt. Und das Kuriose ist oft der Mensch, der es besonders gut mit ihm meint.
Wer die geschenkte Mensch-Hund-Beziehung als Dreamteam erleben möchte, muss zunächst den Hund als Hund im Allgmeinen und den Whippet als Whippet im Besonderen verstehen lernen. Erst durch verstehen kommt Verständnis. Viel zu oft glauben wir, dass das nicht nötig sei, denn wir bieten doch unseren Hunden alles! Wirklich?

Ein Whippet ist eine besonders “zarte Seele”, er ist in höchstem Maße sensibel und muss sich in einer zwangsweisen Beziehung zu seinem Menschen arrangieren. Dabei ist ihm von ersten Tag seit der Geburt nichts anderes gegeben, als seine kleine Seele oder sein Herzchen, zu öffnen für alles, was da nach Mensch riecht oder schmeckt. Schon wenige Tage nach dem Öffnen der Augen und beim ersten bewussteren Wahrnehmen der Stimme, der Gestalt, der Berührung durch seinen Betreuer regt sich das Schwänzchen. Wer schon einmal einen 14 Tage alten Welpen vor sich auf der Hand hatte, mit ihm spricht und dann erlebt, wie die Rute plötzlich anfängt zu rotieren, der WEISS, dass dieses kleine Würmchen ein beseeltes auf den Menschen ausgerichtetes Wesen ist. Kein anderes Tier vermag sich so an den Menschen zu adaptieren, wie es ein Hund vermag. Der berühmte Terrier Greyfriars Bobby wachte 14 Jahre! bis zu seinem eigenen Tod am Grab seines Herren.
Hunde sind besonders dem Menschen zugeneigt und auch besonders abhängig von ihm. Wie Mensch und Hund miteinander klarkommen, hängt weniger vom Hund, als von den Einstellungen und den Verhaltensweisen des Menschen ab. Aber Klarkommen sagt nichts über das “Glück” des Hundes aus. Was für das “glückliche” Leben eines Hundes wichtig ist, wird selten reflektiert oder vorschnell proklamiert. “MEIN Hund ist glücklich, was sonst?” Menschen “meinen” immer sehr viel, aber weviel Spielraum liegt zwischen der Meinung und der Erkenntnis?
Meinungen hat jeder. “Ich mein ja nur mal”. Wir können einen Hund nicht nach seiner Antwort fragen, aber wir können ihn lieben. Hunde lieben heißt nach meiner persönlichen Definition nichts anderes als Vertrauen schaffen, Bindung aufbauen, Führung geben und seine Bedürfnisse befriedigen. Seine, nicht meine!
Wer sich mal was besonderes gönnen will, dem empfehle ich eine Fortbildung bei Martin Rütter z.B.






Sehr gut Marianne, das ist auch so ein Thema, über es sich lohnt nachzudenken, finde ich.
LG
Ich denke, der Grundfehler in der Kommunikation ist immer noch die Vermenschlichung des Hundes oder das Verhalten des Hundes mit Eigenschaften der menschlichen Gefühlsskala zu interpretieren. Starke Vermenschlichung führt dazu, dass der Hund nicht mehr einfach Hund sein darf. Ob ihn das glücklich macht, wage ich zu bezweifeln.
Man kann die äußeren Bedingungen je nach Rasse und Veranlagung schaffen, damit sich ein Hund wohl fühlt. Bei unseren Whippen zählen u.a. die Gelegenheit zum Run und Kill dazu. Die richtige Kommunikation ist eine noch wichtigere Voraussetzung.
Ich erinnere an deinen Artikel “Geistige Sodomie ?” v. 28.11.2001.
Martin Rütter zeigt uns unsere Schwächen in der Kommunikation mit unseren Hunden zwar in witziger Form auf und man erkennt sich schnell wieder, doch werden die wenigsten nach seinen Vorträgen in sich gehen und ihr Verhalten überprüfen. Rütter bezieht sich allerdings auf die Kommunikation mit einem Einzelhund. Nach meiner Erfahrung ist die Kommunikation mit einer “Meute” eine etwas andere Schiene.
Bravo Frau Bunyan, dass Sie dieses Thema aufgreifen …. die Frage “ist mein Hund glücklich?” habe ich mir schon oft gestellt ….. Natürlich mache ich - im Rahmen meiner Möglichkeiten - alles was meinen Hund (scheinbar) glücklich macht, er läuft auf der Bahn, beim Coursing, ich handle ihn als Hund und nicht als Menschen usw., trotzdem habe ich so ab und an meine Zweifel. Ich bekomme als Feedback von ihm “nur” sein Verhalten, er ist absolut ausgeglichen, macht problemlos alles mit und begleitet mich überall, trotzdem habe ich so meine Zweifel, alles kann ich ihm nicht bieten.
Wäre er z. B. in einem Rudel glücklicher als bei mir als Einzelhund? Zeitweise kann ich ihm Rudelfeeling bieten mit dem Sloughi, dem Kampfhundmischling und dem Whippet meiner Freundin, dann bin ich aussen vor, er orientiert sich dann total am Sloghirüden und geniesst es sichtlich mit den anderen Hunden zu spielen, zu rennen und zu schlafen. Ich lasse ihn schon mal mehrere Stunden im Rudel, er kommt auch freudig wieder mit mir nach Hause ….. ich weiss er ist ein Hund, der einen Führer braucht, ich bilde mir ein ihm diese Sicherheit - meistens - geben zu können.
@Birgit Brandenburg - Martin Rütter finde ich grundsätzlich gut, manchmal übernehme ich den einen oder anderen seiner Tipps und wende sie mit Erfolg bei meinem Hund an. Sie haben Recht, ein Rudel ist etwas völlig anderes als ein Einzelhund. Vermenschlichung ist ein grosses Thema, da kann ich Ihnen nur zustimmen. Für mich ist ein Whippet ein Hund mit den Bedürfnissen eines Hundes …..
Mir wird oft vorgeworfen “du machst dir zuviele Gedanken um den Hund!” das sehe ich nicht so, ich habe die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen und zwar solange dieses Lebewesen lebt muss / möchte ich alles dafür tun, dass es glücklich ist.
Nachdenkliche Grüsse
Sabine
Wann ist ein Hund “glücklich”? Gute Frage!… Wenn ich die Bedürfnisse des Hundes kenne und sie befriedigen kann, ihn richtig verstehe und selber entsprechend dem Hund gegenüber kommunizieren kann, damit beide eindeutig wissen was Sache ist. Aber da fangen anscheinend schon die Schwierigkeiten an. Wieviel “Bedürfnisbefriedigung” braucht “mein” Hund, um glücklich zu sein? Wahrscheinlich muß man unterscheiden nach Haupt- und Nebenbedürfnisse der Rasse im Allgemeinen und den individuellen Bedürfnisse des einzelnen Hundes. Was den einen ganz wuschig macht, läßt den anderen vielleicht völlig kalt. Einen ganzen Strauß an Möglichkeiten anzubieten macht einen Hund wohl nicht “glücklicher”. Um seinen Hund glücklich zu machen heißt es sicher auch, ihn als Individuum, mit seinen ganz besonderen Vorlieben, zu erkennen. Aber was macht derjenige, der mehrere Hunde hat. Ist der Rangniedrigste wirklich unglücklich? Er ist sicher der letzte, der an die Reihe kommt, wenn überhaupt!
Viele Grüße
Roland
Ich denke, die Frage, ob sein Hund glücklich ist, kann keiner von uns in letzter Konsequenz beantworten. Schon allein der Begriff “glücklich sein” ist wieder eine Übertragung eines menschlichen Gefühls auf unsere Hunde.
Wenn man ihm die Rahmenbedingungen bietet, die seiner Rasse gerecht werden und seine Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt, die man durch Beobachtungen ja leicht feststellen kann, merkt man, ob der Hund sich in unserem Zusammenleben wohl fühlt. Ich würde also eher den Begriff “wohl fühlen” als “glücklich sein” verwenden.
Aus Erfahrung mit meinen Jungs kann ich sagen, dass sich die Rangniedrigeren keineswegs unwohl fühlen, sobald die Rangordnung geklärt ist. Alle sind an meiner Rücksicht auf ihre individuellen Vorlieben und Abneigungen beteiligt. Das ausgleichende Element in dieser Beziehung in der Meute bin ich als Mensch, muss aber dennoch in gewissen Situationen die Rangordnung beachten (z.B. beim Verteilen von Leckerlis). Feinfühligkeit und stete Beobachtung, um evtl. aufkommende Animositäten auszugleichen ist das tägliche Brot. Ich spreche hier von einer Meute, die aus vier Rüden besteht. Vielleicht ist eine Meute aus Hündinnen anders.
Ich denke, dass sich meine Meute wohl fühlt oder besser, ich hoffe es, denn in letzter Konsequenz kann das keiner sagen. Aber glücklich? Erinnert auch so ein bisschen an den Ausspruch von den “glücklichen Kühen” - oder?