Abriss der Kniescheibensehne
3.07.2011 von Marianne
Gunnar macht mich auf ein Video aufmerksam, das ich gern verlinken möchte. Bei 0:14.45 geht es weiter und der Rest folgt ab 0:29.15.. Es zeigt die OP einer 6 Monate alten Whippethündin. Völlig recht hat der doc, dass das Ruhigstellen nach der OP das Schwierigste ist. Ich finde es wichtig, dass Whippethalter wissen, was ganz schnell passieren kann und wie das alles “repariert” wird. Also bitte ansehen, denn nur wenn man bescheid weiss, dann ist man gefeit und weiss über die Wichtigkeit der Ruhigstellung, die unbedingt eingehalten werden muss. Auch muss sichergestellt werden, dass operierte Whippets auf keinen Fall an den Verband gehen oder die Wunde belecken. Dazu ist ein Kragen ein unverzichtbares Mittel.
Ich schreibe das, weil ich die Hundehalter kenne. Sie jammern dann sehr und ihnen tut der “arme Hund” ja so leid. “Der Hund kann doch nicht im Käfig sitzen” oder “Kragen ist doch eine Qual” oder ähnliches sind hier nicht angebracht. Der Heilungsprozess geht erstaunlicherweise sehr schnell und hier müssen Besitzer mehr leiden als der Hund.






Entschuldige Marianne, aber das mit dem Kragen ist mal echter Unfug! Und ja, der Kragen ist eine Qual.
Dass der Hund ruhig gehalten werden muss ist klar. Nur so ist die Chance am größten, dass später keine Probleme auftreten.
Hattest du noch keine Hunde in der Praxis, die sich ihre Fäden selbstgezogen haben oder die OPNarben aufgemacht haben, alles entzündet war und erneut operiert werden musste und dann nicht mehr reparabel war? Wie verhinderst du, dass der Hund an die Wunde geht ohne Kragen?
Wir haben wirklich nur sehr selten Tiere, die an die Nähte gehen und max. 1 % unserer Patienten braucht einen Halskragen. Keine irreparablen Probleme. Nur Tiere mit Augenverletzungen und Harnblasenkathetern bekommen auf jeden Fall nen Kragen.
Was mir leider auch etwas sauer aufstößt in dem Video ist die fehlende Untersuchung vor Narkose bzw. Prämedikation(der Beruhigungsspritze) und diese überhaupt. Und das aller schlimmste finde ich, wenn die Besitzer einen schlafenden Hund mit nach Hause bekommen. Wir wissen, was da passieren kann und wie das ausschaut, dass die Tiere jaulen etc., aber die Besitzer sind damit überfordert, wie ja schon nach der Beruhigungsspritze an der Besitzerin zu sehen ist.
Vielleicht ist unsere Klinikphilosophie auch einfach eine andere, die mir persönlich aber sehr gut gefällt.
Hallo Jana, ich kann dir aus meiner kleinen beschränkten Erfahrung etliche Beispiele nennen, in denen ein Labrador 3x am Knie operiert werden musste, weil er sich regelmässig die Narben aufgefetzt hat, nur weil die Besitzer den empfohlenen Kragen nicht anlegen wollten. Und das war ein temperamentsloser Labi.
Nun zu den Whippets: Im Laufe meines Whippet-besitzerlebens habe ich eine ganze Reihe von OPs mitgemacht und es waren darunter einige Whippets, die mit aller Gewalt ihre Nähte immer selbst öffnen und ihre Wunden “allein” zurecht lecken wollten. Darunter waren einige, die einfach nicht davon abließen und immer wieder an die Wunde gingen. Da nutzten die geschicktesten Verbände nichts. Wir waren recht geschickt im “Einpacken” und genau deshalb, weil bei etlichen NICHTS funktionierte, habe ich auch Erfahrungen mit Kragen. Und damit klappt es halt. Nur in den ersten Stunden hatten die Hunde damit ein Problem, aber schon am nächsten Tag gingen sie bestens damit um. Was machst du bitte mit solchen Kandidaten?
Ich bin nicht für das Kragentragen bei Hunden, die eh nicht an die Wunde gehen, aber bei den anders nicht davon Abzuhaltenden schon, vor allem bei einer OP wie der im Film gezeigten.
Also ist die Frage der “Tierquälerei” nicht etwas voreilig? Oder ist ein zweimaliges Operieren dann keine Tierquälerei, das durch das Kragentragen hätte verhindert werden können?
Zu deinen weiteren Anmerkungen im Film: Du weisst ja nicht was gezeigt wurde und was tatsächlich gemacht wurde (Prämedikation). Der doc sagt nach der OP ausdrücklich, dass die Hündin solange überwacht wird, bis die kritische Phase vorbei ist, siehe 0:32.00.
Ich habe einen aufblasbaren Kragen - ähnlich einem Schwimmring für Kinder - aus sehr weichem Material, den ich bisher nur für ein paar Stunden eingesetzt habe. Eigentlich nur probehalber. Um Verbände am Körper oder den Beinen vor dem Abbeißen zu schützen, funktioniere ich Baby- T-Shirts und - Strampler um. Die entsprechenden Stellen erhalten noch ein dickeres Vlies aufgenäht.
Es kommt auf das Temperament des Hundes an, ob ein Käfig das geeignete Mittel zur Ruhigstellung ist. Zwei meiner Burschen würden darin toben und versuchen, ihn auseinander zu nehmen. Bei solchen Hunden muss man sich die Mühe machen und sie nicht aus den Augen lassen, um eine Ruhigstellung zu gewährleisten. Stressig und aufwändig, aber zeitlich absehbar.
Auch ich habe ähnlich wie Birgit meistens Hemden, T-Shirts benutzt um die Wunden bei meinen Hunden zu schützen. Aber ich würde auch bedenkenlos einen Kragen anwenden, wenn es erforderlich ist. Denn gerade wenn die Wunde fast verheilt ist fängt sie an zu jucken und dann ist die Gefahr des Leckens am größten.
Außerdem würde ich immer auf eine ‘Wachspritze’ bestehen, damit mein Hund so schnell wie möglich wieder aus der Narkose erwacht. Bei meinem ersten Hund wurde nach einem kleinen Eingriff unter Narkose keine derartige Spritze gegeben und er hat Stunden gejammert und sich unkontrolliert bewegt, das war eine Desaster und so etwas möchte ich nie wieder erleben.
Lg
Ilona
@ Ilona: Das kommt immer auf die Art der Narkose und den Eingriff an. Es gibt Mittel, die sich in ihrer Wirkung aufheben lassen, aber keine schmerzhaften Operationen erlauben. Andere müssen “ausgeschlafen” werden. Teilweise lange Nachschlafphasen oder stundenlanges Jammern ist sehr belastend für die Besitzer. Wir haben super Erfahrungen mit unserer Narkose gemacht, die auch bei Windhunden unproblematisch ist (auch bei meinen eigenen), allerdings teilweise eine gute zusätzliche Schmerzausschaltung benötigt.
Wenn ich einen Hund habe, der sich einer OP unterziehen musste, ist mir daran gelegen, dass die Wunde so schnell als möglich heilt und der Hund recht bald wieder genesen ist. Sollte dafür ein Kragen notwendig sein, dann hat die “Qual” eines Kragens weniger Priorität f mich, als das Ziel, dass Hund gesund wird. Das steht f mich an erster Stelle. Wenn ich an Brüche beim Menschen denke, dann sind so unangenehme Dinge wie Fixateur externe auch manchmal nötig, obwohl sie eine Qual darstellen.
Zu den Narkosen: ich finde es sehr wichtig, dass ein Tier wach aus einer Narkose vom TA abgegeben wird. Das gehört für mich auf jeden Fall zu einer professionellen TA Philosophie dazu.
Was die fehlende Aufklärung/ Prämedikation anbelangt: es darf nicht vergessen werden, dass es sich um einen TV Beitrag handelt. Es steht vorher fest, wie lang dieser zu sein hat und dann wird halt gnadenlos geschnitten und gekürzt. Hierbei werden auch wichtige Inhalte geopfert und was wichtig ist und was nicht, entscheidet mit Sicherheit nicht der Mediziner.
Aber nachdem ich hier Beitrag Nummer 8 fabriziere, darf ich feststellen, dass wir ganz leicht vom Thema abkommen. Ich interpretiere Mariannes Beitrag bzw ihre Botschaft so:
Heilung einer Wunde muss unter Umständen (nämlich immer dann, wenn Tier an der Wunde zugange und nicht ruhig genug ist) mit bestimmten Mitteln, wie z B Kragen o Käfig unterstützt werden. Heilung einer Wunde erfordert dann und wann Disziplin und ein Tier kann Disziplin nicht WOLLEN, also muss es der Mensch an seiner statt tun! Beste Grüße Gunnar